Aus dem Spieleseminar 2012 entwickelte sich die Idee, in diesem Jahr eine Fortbildung mit einem anderen Schwerpunkt anzubieten. Passend zu unserem politischen Selbstverständnis, uns inhaltlich mit Formen der Diskriminierung zu beschäftigen, dafür sensibel zu sein, fand am letzten Oktoberwochenende ein Workshop für Juleicas und Multiplikator_innen zum Theater der Unterdrückten statt. Angeleitet wurde das Wochenendseminar durch Joao Agostini, freier Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte Kaubstraße, der selber eine Schauspielausbildung durchlaufen hat und sich zur Zeit zum Kuringa ausbilden lässt, einer wichtigen Figur im Theater der Unterdrückten (vergleichbar mit einem Anleiter).

 

Als Ideenvater dieser Form des Theaters gilt der Brasilianer Augusto Boal. Wesentlicher Grundsatz in Boals Methoden ist die Stärkung und Aktivierung aller Beteiligten, auch der Zuschauer_innen. Letztere bleiben nämlich nicht nur in der Rolle des passiven Publikums, sondern sie können ihre Gedanken und Ideen in die jeweiligen Szenen und Handlungen einbringen und diese dadurch spielerisch verändern. In einem Theaterstück dieses Genres werden gemeinsam Szene(n) zu einem sozialen oder politischen Problem entwickelt. Nachdem die Zuschauer_innen die Szene(n) gesehen haben, werden sie vom Kuringa, dem Anleiter, auch Joker genannt, gefragt, ob sie mit der Szene so zufrieden sind oder ob sie etwas verändern möchten. Die Szene(n) werden nun noch einmal gespielt und die Zuschauer_innen haben die Möglichkeit, „Stopp!“ zu rufen und die Szene sozusagen einfrieren zu lassen. Eine Person aus dem Publikum kann nun in eine der dargestellten Rollen schlüpfen und in die Szene einsteigen. Die Person kann diese Szene durch eine eigene Handlungsidee zwar verändern, die übrigen Schauspieler_innen bleiben jedoch in ihren Rollen (und in ihren Verhaltensmustern). Dadurch verspürt die Person aus dem Publikum beim Versuch, die Situation zu verändern, denselben Widerstand wie im realen Leben. In diesem Moment eröffnet sich eine komplett neue Ebene der Reflexion und Erprobung eigenen Handelns.

Macht –Spiel mit Gegenständen: Wer hat hier die Macht?