Themenschwerpunkt Interkulturelle Arbeit

Im Bereich der politischen Bildung ist der BDP Berlin aktiv in der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, bietet Seminare und Aktivitäten  zur Sensibilisierung an, um Rassismus, Vorurteile, Stereotypen wahrzunehmen und sich zu engagieren.

Die Reise in die Tiroler Alpen wurde von jungen Ehrenamtlichen des Bund Deutscher Pfadfinder_innen Berlin selbständig organisiert. Mehrere junge Geflüchtete hatten Interesse daran, mitzukommen und Skifahren zu lernen. Ein Antrag beim Landesjugendring Berlin für die Teilnahmekosten für die jungen Geflüchteten war gestellt - doch zwei der jungen Geflüchteten erhielten leider keine Reisegenehmigung für Österreich. Am Ende konnte nur Ahmad mitreisen, der aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist.

Gemeinsam fuhr ein Großteil der Gruppe von Berlin mit dem Bus des BDP nach Österreich. Im Vordergrund der Woche stand natürlich Skifahren, Essen und immer wieder der Kulturaustausch, besonders in ganz gewöhnlichen Alltagssituationen: Schon Kleinigkeiten, wie das Einkaufen bestimmter Lebensmittel für einen einzigen arabischen Dip, zeigten uns, wie schwer es ist, seine Kultur beizubehalten - denn Kultur und Heimat sind eng miteinander verknüpft. Und ihre Heimat haben Geflüchtete verlassen. So konnten wir viel über Ahmads Leben erfahren.

Ansonsten tauschten wir uns über Musik, Essen, Gruppendynamiken und Nicht-Älltägliches aus, zum Beispiel während unserer Gesellschaftsspiele. Im Nachhinein fanden wir schade, dass wir kein arabisches Gesellschaftsspiel gelernt haben. Die gemeinsame Woche hat vor allem uns als Nicht-Geflüchtete einmal mehr die Augen über unterschiedliche Kulturen geöffnet, und welche Gemeinsamkeiten es gibt. Und auch, wie gut und vor allem überaus schnell sich die Geflüchteten bei uns einleben. Die Gruppenfahrt war viel zu schnell vorbei, wir wären alle gerne länger geblieben.
 
Von Julia Drews, Teilnehmerin, 28.04.2017

http://www.jung-gefluechtet-selbstbestimmt.de/blog/alltag-beim-skifahren

Im Rahmen der Fortbildungsreihe „Junge Geflüchtete in der Jugend(verbands)arbeit“" wurde der BDP Berlin im Sommer vom Landesjugendring angefragt, ob wir über unsere verschiedenen Zugänge zu Geflüchteten im Rahmen eines Seminars referieren könnten.
Tatsächlich können wir trotz unserer Kleinheit (bspw. im Vergleich zur AWO Jugend, die ebenfalls ihre Arbeit vorstellte) immerhin auf viele verschiedene Aktivitäten zurückblicken, in denen junge Geflüchtete mitgedacht worden sind. Neben dem jugendverbandlichen Engagement gibt es im BDP Berlin auch vielerlei Engagement in den einzelnen Einrichtungen (Koeltze, Luke).

Interkulturelle Arbeit als Querschnittsaufgabe
Bundesweit und auf Landesebene, vor allem in den Landesverbänden die in den Großstädten aktiv sind, ist interkulturelle Arbeit stark vertreten. 2010 wurde eines der letzten Jahresthemen im BDP der Interkulturellen Arbeit gewidmet und ein entsprechender Arbeitskreis (AK Interkulturelle Arbeit/ AKIA) befasste sich mit Theorie und Praxis. In diesem Zusammenhang fanden auch (erneut, nicht zum ersten Mal) Vernetzung, Diskussionen und Seminarinhalte rund ums Thema „Flucht und Migration“ ihren Weg in den BDP. Geflüchtete werden daher nicht erst seit 2015 im BDP mitgedacht – das gilt übrigens für viele Jugendverbände. Jugendverbände müssen im Umgang mit den steigenden Zahlen geflüchteter Menschen methodisch „das Rad nicht neu erfinden“. Außerschulische Methoden, die nicht sprachlastig ausgerichtet sind (sondern den Körper und verschiedene Kompetenzen in den Mittelpunkt stellen), die nicht nach Leistung bewerten sowie über Erfahrungen im Interkulturellen Arbeiten verfügen und ein Bewusstsein für Verschiedenheit verinnerlicht haben, statten Jugendverbände mit wichtigem Handwerkzeug aus, um agieren zu können.


Dialog herstellen – Kooperation mit JoG
Sowohl in Bremen (dort habe ich den BDP 2003 kennengelernt) als auch in Berlin wurde im Zusammenhang ‚Flucht‘ insbesondere die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der NGO „Jugendliche ohne Grenzen (JoG)“ wahrgenommen und gepflegt. JoG setzt sich für die Menschenrechte von jungen Geflüchteten in Deutschland ein. In Bremen wurde der JoG-Gruppe ein Raum für deren Treffen u.a. im Mädchenkulturhaus angeboten. Ziel war es hier, die jungen Geflüchteten zu empowern und ihre Forderungen selbständig äußern zu lassen. Im AKIA und in anderen Gremien wurden ihre Aktivitäten vorgestellt, ihre Postkartenaktionen unterstützt und JoGs bei Veranstaltungen als Referent_innen einbezogen, so z.B. bei unserem Wochenendseminar zum Thema „Flucht und Asyl – so habe ich mir das aber nicht vorgestellt“ im März 2014 oder bei der Organisation der Lebendigen Bibliothek im Rahmen einer Projektwoche in einer Steglitzer Oberschule. Zu dem o.g. Seminar luden wir auch eine Gruppe Unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge aus Bremen nach Berlin ein, um den Dialog zwischen jungen Geflüchteten und jungen Erwachsenen aus Berlin zu ermöglichen.

Ferienfahrten und Flüchtlingsunterkünfte
Da „Ferienfahrten organisieren“ ein Handwerk ist, dass der BDP Berlin beherrscht, organisierten wir 2015 relativ spontan im Sommer drei einwöchige Fahrten für je ca. 20 bis 30 Kinder aus verschiedenen Flüchtlingsunterkünften an den Teufelssee. Ziel war es, sie aus den häufig beengten Unterkünften „zumindest kurzweilig“ rauszuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, den Alltagsstress zu vergessen und einfach Kind sein zu dürfen. Leider war es uns mangels Zeit nicht möglich, auch andere Berliner Kinder für die Fahrten zu gewinnen. Die dreiwöchigen Ferien-maßnahmen konnten wir nutzen, um für uns wichtige Erfahrungen zu sammeln. Wichtigste Erfahrung war, dass die Ängste vor unüberwindbarenSprachbarrieren und vor Traumata genommen wurden. Beides wird als größte Barriere in Fachgesprächen immer wieder benannt.
Da die Ferienfreizeiten in Kooperation mit verschiedenen Flüchtlings-unterkünften durchgeführt wurden stellten wir zudem fest, dass ein guter Draht zu den Sozialarbeiter_innen wichtig ist. Diese kennen Eltern und Kinder und können meist bei Problemen dolmetschen.
Nach den Sommerferien eröffnete in unmittelbarer Nähe zum BDP Büro das alte Rathaus am Fehrbelliner Platz seine Türen für mehr als 800 Geflüchtete. Ella nahm in ihrer Funktion als Vorstand an einem Nachbar_innen Infotreffen teil. Schnell wurden Ehrenamtler_innen in dem „Netzwerk Wilmersdorf hilft“ koordiniert. Längere Zeit haben wir Ideen gewälzt, wie wir uns dort engagieren können. Soll die Bildungsreferentin versuchen, mit ein oder zwei Ehrenamtler_innen oder Honorarkräften dort ein regelmäßiges Angebot für Kinder oder Jugendliche zu stemmen? Als BDPler_innen? Neben der Ehrenamtler_instruktur „Wilmersdorf hilft“ oder als (Kleinst-) Teil dessen?
Es wurde verschiedentlich Kontakt zu Sozialarbeiter_innen aufgenommen und zu Ehrenamtler_innen aus den Unterstützungsnetzwerken. Ein konkretes Angebot wurde nicht ins Leben gerufen.


Qualifizierung der Unterstützer_innen
Statt direkt in der Flüchtlingsunterkunft aktiv zu werden wurde im Gespräch mit den Teamer_innen der Jugendbildungsstätte Kaubstraße die Idee weiterverfolgt, sich auf eine weitere Kompetenz der Jugend(verbands)-Arbeit zu berufen: Sensibilisierung und Qualifizierung von Engagierten/ Multiplikator_innen. So wurden für Winter und Frühjahr zwei Spiele-seminare mit „Spielen fast ohne Worte“ organisiert und die Problematik der Sprachbarrieren aktiv durch eine Methodenschulung von Unterstützer_innen angegangen. Beide Seminare erhielten viel Zuspruch und waren schnell ausgebucht.


Unterstützer_innen als Vermittler_innen
Der Mehrgewinn für den BDP aus den Spieleseminaren liegt in dem Kennenlernen der Unterstützer_innen und deren Direktkontakt zu geflüchteten Menschen (über die Unterkünfte hinaus). Sie stellten für zwei Aktivitäten in 2016 ein wichtiges Bindeglied und Sprachrohr zwischen dem BDP und Geflüchteten dar. 2016 wollten wir bei unseren geplanten Aktivitäten eine stärkere Mischung der Teilnehmer_innen fördern und suchen 1.) fünf junge Geflüchtete, die an der Juleica Schulung teilnehmen, 2.) zehn geflüchtete Kinder für das Große Kinderzeltlager.
In beiden Fällen suchten und fanden wir die Teilnehmer_innen mit Fluchthintergrund über die Unterstützer_innenkreise. Wir treten also nicht nur mit einer Person in einer Unterkunft (Sozialarbeiter_in) in Kontakt sondern mit verschiedenen Personen. Und mit dem – wenn auch schleppend verlaufenden – Auszug der Geflüchteten aus den Massen-unterkünften bilden die Unterstützer_innen einen – aus unserer Sicht – immer wichtiger werdenden Verknüpfungspunkt.
Mit dem Auszug aus der Notunterkunft wird zudem die miserable Wohnsituation verändert, in der Gesellschaft angekommen sind geflüchtete Menschen zu dem Zeitpunkt aber wohl eher noch nicht.


Teilhabe durch Quotenregelung
Die Festlegung einer Quote für Geflüchtete bei der Juleica-Schulung (5 von 20) und dem Großen Kinderzeltlager (10 von 60) war aus unserer Sicht eine wirksame Methode, um für uns ein klares Ziel zu setzen. Ansonsten entspricht die „Quote“ dem, was wir generell mit unserer Arbeit verfolgen, nämlich eine Teilnehmer_ingruppe nach verschiedenen Aspekten möglichst heterogen zu gestalten und bspw. nicht Ferienfreizeiten nur für Geflüchtete zu organisieren. Maßnahmen nur für Geflüchtete war für uns nie langfristiges Ziel. Berliner_innen und Neu-Berliner_innen sollen innerhalbdes BDP auf verschiedenen Ebenen gemeinsam an Aktivitäten teilnehmen, sich kennenlernen und Freundschaften schließen. Hier liegt das große Potential von Jugendverbandsarbeit. Der Prozess des gemeinsamen Zusammenwachsens wird einen langen Atem benötigen, so dass auch klare Zielvorgaben bei Teilnehmer_innenzahlen für die nächsten Jahre sinnvoll sind. Das recht unkomplizierte Antragsverfahren beim Landesjugendring für finanzielle Mittel zur Unterstützung von Geflüchteten macht es möglich, die Zielvorgaben auch nach unten zu korrigieren.
Ein zartes Pflänzchen


Insgesamt wurden dieses Jahr also fünf Geflüchtete zu Jugendgruppenleiter_innen ausgebildet. Einer der fünf Juleicistas hatte letztes Jahr am Teufelssee erste Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit gesammelt, ein weiterer nahm im Anschluss an die diesjährige Schulung zum ersten Mal als Co-Teamer an dem Großen Kinderzeltlager teil. Ein dritter Geflüchteter nahm an dem Seminar zu Nachhaltigem Gruppenkochen im Oktober teil und will bei einem der nächsten Choordination-Termine mitkochen. Ein weiterer junger Geflüchteter kam zu einem Gespräch in die Kaubstraße, um über die Möglichkeiten zu erfahren, wie er sich im deutsch-französischen Jugendbereich engagieren kann. Es handelt sich um wenige Personen, zu denen wir mal mehr mal weniger im Kontakt stehen.


Alle sind aufgrund ihrer Situation mit verschiedensten Schwierigkeiten konfrontiert. Aufenthaltsstatus, Wohnungsnot, Sorgen um Verwandte und Bekannte, Schwierigkeiten, was die berufliche Zukunft hier anbelangt. Die wenigsten Probleme können tatsächlich durch uns gelöst werden. Es wird auch für die Geflüchteten Zeit vergehen müssen, um so etwas wie Normalität und Alltag einkehren lassen zu können. Und dazu gehört es, sie auch nicht mehr primär als Geflüchtete wahrzunehmen sondern als Individuen mit Namen, Interessen, Stärken und Schwächen.

 

EIN BEGEGNUNGSPROJEKT FÜR MENSCHEN MIT UND OHNE FLUCHTERFAHRUNG VOM 17.05.-20.05.2016

(organisiert vom Team der Jugendbildungsstätte Kaubstraße)


Im Januar 2016 ist in der Kaubstraße ein Pilotprojekt gestartet: Ein Begegnungsseminar für
Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Viele vorangestellte Fragen klärten sich wie von
allein: Wer soll kommen? Was soll passieren? Brauchen wir einen starren Seminarplan?
Zusammen wurde ein spannendes Programm gestrickt, was sich nach Interessen, Lust,
Ressourcen und Prioritäten der Teilnehmenden richtete. Die Resonanz war riesig und leider
konnten aufgrund dessen nicht alle Interessierten mitmachen. Nun bieten wir ein
Folgeprojekt im selben Format an und freuen uns auf Ihre/Eure zahlreiche Teilnahme!
Unten folgt die Beschreibung und Einladung, bitte gern weiterstreuen!
Menschen kommen und gehen, als Einzelne, als Familien, als Freundinnen und Freunde. Wo
es Menschen gibt, gibt es Mythen und Legenden, aber auch Zuschreibungen und Vorurteile.
Und vor allem gibt es verpasste Chancen, mal wirklich ins Gespräch zu kommen, Geschichten
auszutauschen und Gemeinsames erfahrbar zu machen.
Die Jugendbildungsstätte Kaubstraße möchte Zeit und Raum schaffen für Begegnung
zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Vier Tage lang begleitet ein
pädagogisches Team das Projekt, dessen Schwerpunkte die Gruppe selbst bestimmen kann.
Es wird um Geschichten gehen, kreativen Austausch, aber auch um Spaß/Sport und erste
Orientierungshilfen für geflüchtete Menschen (Ämter, Beratungsstellen, Sprache).
Wir suchen nun kurzfristig Menschen, die in Berlin ihren Lebensmittelpunkt finden und die
das Interesse daran haben, vier Tage lang keine Chance zu verpassen und an unserem
Begegnungsprojekt mitzumachen.


Hier die Fakten:
Wann: 17.05.-20.05.2016
Wo: Jugendbildungsstätte Kaubstraße; Kaubstraße 9-10; 10713 Berlin Wilmersdorf
Wer: Interessierte, Ehrenamtliche, Mulitplikator_innen, unbesorgte Bürger_innen ab 18 Jahren
Wie viel: Das Projekt ist für alle Teilnehmenden kostenfrei, inklusive Kost und Logis
Anmeldung bitte bis zum 10.05.2016 unter 030 – 861 93 59 oder per mail an
bildungsbereich(et)kaubstrasse.de
Wir freuen uns auf Eure/Ihre Anmeldungen!
Iza Zarebska
für das Kaubstraßen-Team

Ein Bericht von Mo zu den drei Ferienfreizeiten in den Sommerferien 2015 für Kinder aus Flüchtlingsunterkünften auf der Webseite  www.jung-gefluechtet-selbstbestimmt.de dort sind auch einige Bilder zu finden.

"Seele baumeln lassen in der Ferienfreizeit

Der Bund Deutscher PfadfinderInnen Berlin organisierte in den Sommerferien drei Ferienfreizeiten für jeweils 25 bis 30 Kinder aus Flüchtlingsunterkünften. Im Mittelpunkt stand, mit den Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren in der Kinder- Jugend- und Familienerholungsstätte (KJFE) Teufelssee einfach eine schöne Ferienwoche zu verbringen.

Die Kinder sollten die Möglichkeit haben, familiäre Sorgen hinter sich zu lassen und zumindest für eine kurze Zeit mal aus den meist beengten Wohnverhältnissen rauszukommen. Pädagogisches Ziel war, den Kindern Gruppen- und Naturerfahrungen zu vermitteln.

Gemeinsam gab es viel Zeit kreativ zu sein, sich zu bewegen und gemeinsam zu spielen. Bei Waldspaziergängen und Musizieren am Lagerfeuer konnten sich alle näher kennenlernen. Auch geflüchtete Kinder müssen manchmal die Seele baumeln lassen dürfen!"

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