16.10.2008 Demo gegen Agrosprit am Welternährungstag


Als Vorbereitung auf den Besuch von westafrikanischen Delegierten der African Youth Coalition Against Hunger (AYCAH) hat sich eine Gruppe des BDP Berlin mit den Themen Ernährungsicherung und globale Landwirtschaft beschäftigt. Im Rahmen der Welternährungskrise und der steigenden Zahlen hungernder Menschen, protestierten wir am 16.Oktober – dem Internationalen Welternährungstag- zusammen mit den Organisationen Inkota Netzwerk e.V., Rettet den Regenwald e.V., ATTAC, FIAN und BundJugend vor dem Umweltministerium von Sigmar Gabriel gegen dessen Agrosprit Politik.

Während viele Umweltorganisationen noch jubelten, als die EU 2003 eine Biokraftstoffrichtlinie mit dem Ziel veranschlagte, bis 2010 den Anteil an „pflanzlichen Kraftstoffen“ von 5,75 Prozent zu erhöhen, ist von dieser Euphorie fünf Jahre später nicht viel geblieben. Anfangs wurde das aus Pflanzen hergestellten Diesel oder Benzin als Wundermittel gehandelt, um Treibhausgasemissionen und die Abhängigkeit von Erdölimporten zu reduzieren bei gleichzeitiger Stärkung der Landwirtschaft in Europa. Mittlerweile sprechen KritikerInnen aufgrund der vielen negativen Auswirkungen der pflanzlichen Kraftstoffe immer häufiger von Agro- statt von Biosprit.

Seit Grundnahrungsmittel wie Getreide und Speiseöle in den Autotanks landen statt auf den Tellern, explodieren weltweit die Nahrungsmittelpreise. Nahrungsmittel werden knapp und hHunger breitet sich aus. Die Produktion von Bioethanol hat sich zwischen 2000 und 2005 verdoppelt. Da die Anbauflächen für Energiepflanzen in Europa für die Gewinnung des „Agrospirts“ nicht ausreichen, müssen die Pflanzen aus den Entwicklungsländern importiert werden. Die zunehmende Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen führt weltweit zu massiven Preissteigerungen von Grundnahrungsmitteln. Der vermeintliche Beitrag zum Klimaschutz verstärkt den weltweiten Hunger, die Zerstörung von Regenwäldern und die Tendenz hin zur industrialisierten Landwirtschaft.

Während die EU noch in diesem Herbst über Veränderungen in der Agrosprit-Politik entscheiden will, gehört Umweltminister Gabriel zu denen, die sich bislang weigern umzudenken. Sein Ziel ist es, bis 2020 den Anteil der Agrokraftstoffe am Kraftstoffverbrauch weiter zu erhöhen und den Anbau von Energiepflanzen zur Gewinnung von Agrosprit in Deutschland und in der EU zu subventionieren.

Wir sagen NEIN zum Agrosprit und fordern unseren Umweltminister stattdessen auf, eine andere Verkehrspolitik zu fördern, die sich an der Reduzierung von Treibstoffen und Treibhausgasen zu orientieren.

Mo Witzki