Anfang Dezember gehen Rosie, Lelia und ich in den Bundestag um an einer öffentlichen Diskussion der Partei Bündnis 90/ Die Grünen zum Thema „Faire Kleidung – wie geht das?“ teilzunehmen.

Am Eingang des Paul Löbe Hauses wird klar, dass wir nicht zu den häufigen Besucher_innen des Bundestags gehören. Und die Aufregung steigt ein wenig, als zwar der Security Check gemeistert ist, mehrere Personen vor uns aber vom Empfangspersonal gebeten werden, sich nochmal nach draußen zu begeben, da ihre Namen nicht auf der Anmeldeliste zu finden seien. Oha. Sind wir drei wohl namentlich notiert? Die Antwortet lautet Ja. Vor uns liegen die langen gläsernen Wege und Flure des Gebäudes. Das Interesse an der Veranstaltung ist groß, der Seminarraum fast bis auf den letzten Platz besetzt. Das Podium wird durch bekannte Personen aus der Politik geprägt. Renate Künast moderiert mit ihrer persönlichen Art und Weise locker autoritär aber immer auch mit nem gewissen Humor durch die Veranstaltung. Da wir in den oberen Reihen des Saals Platz genommen haben, haben wir zumindest räumlich einen guten Überblick. Vom Verständnis der Diskussion her muss schon gesagt werden, dass es nicht immer so einfach war, den Diskutant_innen zu folgen, die gerne auch mal in „böhmischen Dörfern“ redeten, sprich diverse Fachbegriffe und Abkürzungen benutzten. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie und wer und auf welche Art und Weise die Produktion von Kleidung fairer gestaltet werden kann. Die Schwierigkeit liegt hierbei vor allem in der Tatsache, dass sowohl die Produktion der Rohstoffe als auch die Arbeitsverhältnisse in den verschiedenen Unternehmen und Subunternehmen erfasst werden müsste. Ähnlich wie in anderen Bereichen des Handels, stellt sich bei den Siegeln, die bisher in der Bekleidungsmittelproduktion existieren, ein ähnliches Problem: Umweltstandard sind noch irgendwie machbar, Sozialstandards hingegen sind fast gar nicht erfassbar. Deutlich wurde an diesem Tag, dass eine Verbesserung dieses Handelszweiges lediglich machbar ist, wenn alle Akteure dasselbe Ziel verfolgen. Die politische Ebene in Industrie – und Entwicklungsländern müssen diesbezüglich zusammen arbeiten. Die Unternehmen müssen in die Verantwortung genommen werden und wir, die Käufer_innen, sollten entsprechend Produkte, die fair gehandelt wurden, bevorzugt kaufen. Es wurde auch darauf eingegangen, dass fair gehandelt nicht unbedingt bedeuten muss, dass Produkte immer teuer sein müssen. Wohl aber müssen verschiedene Produkte und Strategien für verschieden Konsument_innen entwickelt und angeboten werden, um die faire Kleidung aus ihrer Nischenexistenz zu befreien. Besonders gut hat mir ein Redebeitrag gefallen, der eine „textile Aufklärungsarbeit“ in den Schulen als einen sinnvollen Lösungsansatz beschrieben hat. Der Gedanke dahinter ist, dass Jugendliche über die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche aufgeklärt werden sollen und mittels eigener praktischer Erfahrungen an der Nähmaschine, etc. ein Gespür dafür bekommen, wie Kleidung hergestellt wird und eine gewisse Wertschätzung dafür wieder eintritt. Während der Veranstaltung, aber auch lange danach, als ich den Besuch im Bundestag habe sacken lassen, kam immer wieder derselbe Gedanke hoch: wieso eigentlich ständig immer nur sich damit beschäftigen, wie was produziert wird. Wir haben doch bereist soooooooooo viele Kleidungsstücke. Und ich bin froh, dass wir auf Kleidertausch setzen statt auf Kleiderkauf. Weg von Neuproduktionen hin zu dem was eh schon da ist.